Werkstatt für behinderte Menschen
Ein Unterrichtstag im Zeichen des Apfels

„Hm, das schmeckt” -man sieht es ihrem Gesichtsausdruck an. Zufriedene Minen, der goldgelbe Apfelsaft in den Bechern- und jetzt so lecker und wohlschmeckend im Mund!

Wir haben Ende Oktober 2008 gemostet. So richtig den ganzen Herstellungsprozess mitgemacht. Zuerst in Breckenheim auf einer Streuobstwiese gesammelt, dann im Hof in Medenbach gepresst, im Hof der Familie D. Engel.
Wir, das sind 7 Schülerinnen und Schüler der Beruflichen Schule Hofheim, Brühlwiesenschule, die Klasse 11SSHa der Schlockerstiftung in Hattersheim, einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung, mit den 2 dazugehörenden Lehrerinnen. Ermöglicht hat es uns ein engagierter Ruheständler, Herr Köhler aus Medenbach, der mit seiner gesamten Apfelmostausrüstung für eine professionelle Abwicklung dieses Erfahrungstags "Vom Apfel zum Most" sorgte.
Es war noch früh am Morgen, der Nebel hing über dem Rheintal, den Wiesen und Wäldern, als wir mit dem Bus der Firma Diehl auf der Streuobstwiese am verabredeten Ort ankamen. Der erste Schritt hieß "Äpfel sammeln". Dank einer unter den Baum gelegten Folie war das ja ein Kinderspiel. Als es hieß "Äpfel schütteln" wurde es schon schwieriger: wie zerrt man am Zweig eines Apfelbaumes so, dass zwar Äpfel herunterfallen, einem aber keine schwergewichtige Frucht auf den Kopf fällt? "Au", da war es schon passiert. Mit einer langen Stange ging es da schon besser. So steht man wenigstens etwas weiter weg von der herabstürzenden Pracht. Dann wurden die rotbackigen Äpfel in große Kunststoffwannen gesammelt, in Säcke geschüttet und die Taschen noch voll mit den herrlichen Äpfeln gestopft - und ab ging es nach Medenbach. Wie schön, mal wieder im warmen Bus zu sitzen. Unsere Schüler, für die es überwiegend das erste Mal war, dass sie an einer Mostaktion teilgenommen haben, waren schon gespannt auf den zweiten Teil der Aktion.

Im schönen alten Medenbacher Hof der Familie Engel angekommen wurde erst einmal die Häckselmaschine und die Handpresse zusammengebaut. Wie viele Teile doch dazugehören! Alles war neu restauriert und mit lebensmittelechtem Lack geschützt worden. Die Äpfel waren in der Maschine ruck-zuck gewaschen und zerkleinert. Dann wurde der in einer Schüssel aufgefangene Brei in die Presse gefüllt, mit Gewichten beschwert und dann kam der große metallene Hebelarm daran. Jetzt konnte das Pressen los gehen. Erst war es leicht, aber dann immer schwerer, bis schließlich je 3 unserer Schüler, egal mit welcher Behinderung, alle ihre Kräfte einsetzten, um den Most aus dem Apfelbrei zu pressen. Der Most wurde in einem Eimer aufgefangen und dann in die Becher bzw. Flaschen gefüllt. Na dann "Prost"!

Da es allen so gut geschmeckt hat, war die Freude groß, auch noch Kostproben des leckeren Saftes in Flaschen mit nach Hause nehmen zu können. Ja, sogar für den Gruppenleiter in der Werkstatt sollte eine Kostprobe sein. Den Rest des gewonnenen Mostes wurde von der Lehrerin erhitzt, also haltbar gemacht und auf Flaschen gezogen. Da wird dann im Hauswirtschaftsunterricht als nächstes gelernt, wie man Apfelgelee kocht. Oder sollen wir doch lieber einen Apfelsaftkuchen machen? Die Schüler kamen auf die kreativsten Ideen.

Unser Dank geht an dieser Stelle noch mal an Herrn Kröger und an Herrn Engel vom Streuobstkreis Wiesbaden, die diese Aktion mit uns für unsere Schüler durchgeführt haben!