Projektwoche 2015 – Inklusive Schülerwerkstatt

Mittlerweile werden seit fast zwanzig Jahren junge Menschen aus der »Werkstatt Schlocker-Stiftung« in Hattersheim an der Brühlwiesenschule unterrichtet. Die »Werkstatt Schlocker-Stiftung«, das ist eine Einrichtung der EVIM Behindertenhilfe, die Menschen mit einer geistigen und/oder körperlichen Beeinträchtigung eine qualifizierte Beschäftigung bietet. «Werkstatt für behinderte Menschen« - abgekürzt «WfbM« - wird diese Einrichtung auch genannt. Und wer dort einen Werkstattvertrag als Beschäftigter unterzeichnet, der hat Anspruch auf einen Tag Berufsschulunterricht pro Woche.

In den ersten Jahren fand dieser Unterricht noch in Hattersheim statt. Teils wurden Räume der Schlocker-Stiftung genutzt, teils auch Klassenzimmer in der benachbarten Heinrich-Böll-Schule. Demgegenüber sind heute unsere Schüler/innen aus der WfbM allein schon in Bezug auf die räumlichen Rahmenbedingungen sehr viel besser integriert als damals: Mit dem zentral gelegenen Klassenraum im Erdgeschoss des A-Gebäudes hat der Fachbereich seinen Platz mittendrin in unserem Schulkomplex.

Unter diesen Voraussetzungen ergeben sich am Rande des Unterrichts immer wieder kleine Begegnungen, und die jungen Leute aus der WfbM gehören ebenso selbstverständlich zum bunten Bild der Schülerschaft wie alle anderen auch.

Aber sich in der Pausenhalle zu begegnen, das heißt natürlich noch nicht, wirklich in Kontakt zu kommen. Umso mehr freuen wir uns über die Chancen, die sich im Rahmen einer Projektwoche eröffnen: Eine ganze Woche lang können sich Schüler/innen aus den unterschiedlichsten Schulformen in einer Gruppe zusammen finden, die gemeinsam etwas auf die Beine stellen will.

Und so hatte unser diesjähriges Projekt zwei Schwerpunkte, nämlich zum einen die Begegnung zwischen Schülern und Schülerinnen mit und ohne Handicaps, und zum anderen die produktive Arbeit in der Holzwerkstatt wie auch im hauswirtschaftlichen Bereich - immer mit dem Ziel, am Ende der Woche beim Tag der offenen Tür eine reiche Palette an schönen und leckeren Produkten anbieten zu können.

Jeweils acht Schüler/innen aus der WfbM und dem Beruflichen Gymnasium sowie drei Schülerinnen aus der Fachschule für Sozialpädagogik nahmen teil, und was am ersten Tag in einer Runde aus vielen fremden Gesichtern begann, mündete im Lauf der Woche in eine fröhliche Gemeinschaft, die sich voller Engagement in die praktische Arbeit stürzte und, ganz nebenbei, so manches voneinander erfuhr und miteinander erlebte, was das eigene Blickfeld erweiterte und das Erleben bereicherte.

Wann sonst hat man die Gelegenheit, direkt zu erfahren, wie die Kommunikation mit Hilfe eines Laptops gelingen kann, der die Stimme ersetzt?

Woher sollte man ahnen, unter welchem Stress die Schüler/innen aus den anderen Schulformen teilweise stehen, wenn ihnen Klausuren und Prüfungen bevorstehen?

Und wie oft wird man schon Teil einer «fahrenden Disco», die - angeführt von einem Elektrorolli - die Schulgänge von jeder Schläfrigkeit befreit?

Während sich die Schüler/innen aus der WfbM sowohl in der Holzwerkstatt als auch im Klassenraum mit seiner Küchen-Ausstattung gut auskannten und den anderen dabei halfen, sich zu orientieren und alles zu finden, was benötigt wurde, übernahmen andere beherzt die Koordination beim Abfüllen der Backmischungen für den Verkauf.

In der Holzwerkstatt wurde gesägt, geschliffen, gedrechselt, gebohrt, bemalt und lackiert, wobei manch eine/r mit Geräten in Berührung kam, an die er oder sie noch nie Hand gelegt hatte. Und wer aus motorischen Gründen nicht in der Lage war, Maschinen und Werkzeuge selbst zu bedienen, war als Beobachter oder Berater beteiligt oder übernahm Botengänge, die oft genug nötig waren.

Eines war jedenfalls klar: Am Tag der offenen Tür wollte jede/r mit voller Energie dabei sein und all das an die potentiellen Kundinnen und Kunden bringen, was die Woche über entstanden war. Und so wurde, nicht zuletzt aufgrund des Verkaufstalents der Schüler/innen, die gelungene Projektwoche auch von finanziellem Erfolg gekrönt.

Die Einnahmen werden nicht nur die entstandenen Unkosten decken und die finanziellen Mittel des Fördervereins der BWS aufbessern. Sie kommen außerdem zu einem Teil in Form einer Spende der Stiftung «Zwerg Nase» in Wiesbaden zugute, die Familien mit behinderten und chronisch kranken Kindern unterstützt.

Ganz besonders freuen wir uns aber darauf, uns gegen Ende des Schuljahres aus dieser «Projektkasse» einen gemeinsamen Ausflug aller Projektteilnehmer/innen zu gönnen. Denn, darin waren sich alle einig: Die Woche hat großen Spaß gemacht, es wurden viele neue Kontakte geknüpft, ud die lassen wir nicht einfach einschlafen!