In der vergangenen Woche wurde an der BWS die Wanderausstellung „(W)er stoppt die Gewalt?“ eröffnet. Das Projekt bringt Schülerinnen und Schülern auf eindringliche Weise das Thema häusliche und partnerschaftliche Gewalt näher und regt zum gesellschaftlichen Nachdenken an. Möglich wurde die Präsentation der Ausstellung an unserer Schule insbesondere durch das Engagement unseres Schulsozialarbeiters Mehmet Cetingök, der die Zusammenarbeit mit den Projektpartnern maßgeblich begleitet hat.
Zur Eröffnung begrüßte unser Schulleiter Christoph Berg die Gäste der Projektwoche der Hochschule RheinMain, die unter der Leitung von Prof. Dr. Regina Dackweiler die Ausstellung entwickelt und an unsere Schule gebracht hat. In seiner Ansprache betonte er, dass die Ausstellung ein hochaktuelles gesellschaftliches Thema aufgreift, das uns alle betrifft. An der Brühlwiesenschule ist es ein zentrales Anliegen, Werte wie Respekt, Toleranz und ein achtsames Miteinander aktiv zu leben. Junge Menschen sollen bewusst Räume erhalten, in denen sie sich mit herausfordernden gesellschaftlichen Fragen auseinandersetzen können. Dazu gehört ausdrücklich auch die Beschäftigung mit Gewalt in Beziehungen sowie Fragen von Verantwortung und Haltung.
In einem besonders eindrücklichen Vortrag thematisierte Prof. Dr. Dackweiler verschiedene Formen von Gewalt in Beziehungen. Von körperlicher und psychischer Gewalt über Isolation, Kontrolle und Drohungen bis hin zu digitaler Gewalt wie Cybermobbing, Stalking oder dem ungewollten Weiterleiten intimer Inhalte. Sie warnte zugleich vor gesellschaftlichen Mechanismen wie Verharmlosung, Tabuisierung, Individualisierung oder dem Verschieben des Problems auf „die anderen“. Gewalt sei kein Randphänomen, sondern tief in gesellschaftlichen Strukturen verankert.
Auch Michael Calmano, Männer- und Täterberater der Regionalen Diakonie und Mitgestalter der Wanderausstellung, dankte unserer Schule für die Möglichkeit, das Projekt vor Ort zu zeigen, ebenso wie Oliver Wilhelm von Pro Familia. Die Ausstellung sei das Ergebnis intensiver konzeptioneller Arbeit und ein wichtiger Beitrag zur Prävention und Aufklärung.
Die Regionale Diakonie Main und Hochtaunus war durch ihre Leiterin Peggy Hoffmann vertreten, die die Anwesenden vorstellte und die enge Zusammenarbeit zwischen Schule, Diakonie und Schulsozialarbeit hervorhob. Besonders das Engagement unseres Schulsozialarbeiters Mehmet Cetingök und die langjährige Kooperation zwischen der Regionalen Diakonie und der Brühlwiesenschule wurde dabei gewürdigt.
Im Zentrum der Ausstellung stehen grundlegende Fragen: Wer trägt Verantwortung? Wer kann Veränderungen bewirken? Die Beiträge machen deutlich, dass häusliche Gewalt eine bedrückende Realität ist, deren Folgen oft ein Leben lang nachwirken. Gleichzeitig wird betont, dass Gewalt nicht allein durch Verurteilung endet, sondern vor allem durch Veränderungen von Verhalten und durch präventive Arbeit.
Martina Weyand, Gleichstellungsbeauftragte des Main-Taunus-Kreises, erinnerte in ihrem Beitrag an die lange Tradition des regionalen Netzwerks gegen Gewalt, das sie vor 25 Jahren mitinitiiert hat. Sie verwies zudem auf aktuelle Zahlen der polizeilichen Kriminalstatistik, die einen Anstieg von Fällen dokumentieren. Die Mehrzahl der erfassten Täter seien Männer, was die gesellschaftliche Dimension des Problems unterstreiche.
Deutlich wurde an diesem Nachmittag: Häusliche und innerfamiliäre Gewalt ist kein Problem „der anderen“. Nur ein Teil der Fälle wird überhaupt angezeigt, und die Folgen sind häufig schwerwiegend und langfristig. Diskussionen über Gewaltverteilung zeigen zudem komplexe Muster, wobei insbesondere Frauen in der Häufigkeit und Intensität schwerer betroffen sind.
Die Wanderausstellung selbst wurde für unsere Schülerinnen und Schüler interessant und zugänglich gestaltet. Während der gesamten Woche konnten sie die Ausstellung besuchen, Inhalte über QR-Codes vertiefen, sich informieren und Fragen stellen. Damit bot die Ausstellung nicht nur Informationen, sondern eröffnete auch Räume für Diskussion, Reflexion und die Entwicklung einer eigenen Haltung.Mit der Frage „(W)er stoppt die Gewalt?“ möchten wir ein deutliches Zeichen setzen: Gewaltprävention beginnt mit Aufmerksamkeit, Wissen und der Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. In der Schule, in Beziehungen und in der gesamten Gesellschaft.











